Die Wiesn, ein Dackel und wie ich es in die Süddeutsche Zeitung schaffte

Es ist Wiesn in München. Das merkt man auch, wenn man nicht hingeht. Überall Menschen in Tracht, herrliches Wetter, die Stadt voller Besuch. In unserem Laden ist es gerade eher ruhig. Offenbar haben alle schon etwas vor.

Ein guter Moment, um eine Geschichte hervorzuholen, die mit der Wiesn zu tun hat.

Das Wiesnplakat
2023 nahm ich am Wettbewerb für das offizielle Oktoberfest-Plakat teil. Jedes Jahr schreibt die Stadt München das aus. Mein Entwurf: eine Frau im roten Dirndl auf einer Schaukel, ein Mann, der sie von unten bewundert, und ein Dackel auf seinem Arm. Dahinter ein Riesenrad und viel blauer Himmel. Der Oktoberfest-Schriftzug war vorgegeben. (Den hätte ich mir anders ausgesucht.)

Es sollte eine Geschichte über die Liebe sein: Die Frau hat ihren Spaß auf der Schaukel. Der Mann himmelt sie an und übernimmt derweil den Hund. Eine, wie ich finde, durchaus erfreuliche Aufgabenverteilung.

45 Entwürfe kamen in die engere Auswahl – einer davon meiner. Es folgte eine öffentliche Online-Abstimmung, über die Preise entschied anschließend eine Jury. Ich bekam zwar keinen der ersten drei Plätze, doch dafür: einen Logenplatz in der Süddeutschen Zeitung.

Der Dackel macht Presse.
Ganz oben im Artikel entdeckte ich mein Plakat. Dazu der Text „Die Wiesn ist auf den Hund gekommen“. Dem Redakteur Stefan Simon waren die vielen Dackel auf den Plakaten aufgefallen. Gleich zehn Stück hatte er gezählt und eine Glosse geschrieben. Er widmete sich darin ausführlich dem bayrischen Lieblingshund und seiner eher fragwürdigen Eignung als Wiesn-Besucher. Hunde dürfen nämlich gar nicht aufs Oktoberfest. Und die Designer sind scheinbar schlecht informiert.

Ich wusste das. Mein gezeichneter Dackel schien mir auf dem Arm des Mannes allerdings ganz gut aufgehoben.

In wilder Rage schrieb ich dem Redakteur, daß ich das sehr wohl wisse und berichtete ihm von Otl Aicher, dem berühmten deutschen Designer, der 1972 den Dackel ins Rampenlicht geholt hatte, indem er ihn zum Maskottchen der Olympischen Spiele machte. Und das, obwohl er nicht mit ins Stadion durfte. Und darüber, dass ich mir ein bisschen weniger Häme und mehr Leichtigkeit wünschen würde. 

Der Redakteur schrieb mir freundlich und ausführlich zurück, und kam zu dem Schluss, daß er genau diese Leichtigkeit mit seinem Artikel hatte bezwecken wollen. Da hatten wir also etwas gemeinsam. Ich schrieb ihm, daß ich ihn in seiner Mail deutlich netter fand als in der Glosse. Und war versöhnt.

In die SZ hatte ich es jedenfalls geschafft. Wenn auch unter etwas widrigen Umständen. Ich hatte eine kleine Geschichte über die Liebe gezeichnet. In die Zeitung kam der Hund.

With love from Munich
Heute, drei Jahre später, habe ich das Motiv noch einmal aus der Schublade geholt und eine Postkarte daraus gemacht. Diesmal durfte ich mir auch den Schriftzug selbst aussuchen und seine Botschaft damit zurechtrücken: "With love from Munich."

Die Frau schaukelt weiter. Der Mann bewundert sie noch immer. Und der Dackel hat inzwischen Presseerfahrung.

Die Karte gibt es jetzt online und natürlich in unserem Shop in München. Vielleicht lässt sich auch ein Einzelhändler dazu hinreißen, sie in sein Sortiment zu nehmen.
Für eine Liebesgeschichte ist auf der Rückseite noch Platz.

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